Kinder wünschen sich nichts sehnlicher, als dass Mama und Papa sich immer gut verstehen. Dabei ist Streit nichts Schlechtes. Ganz im Gegenteil - es ist wichtig eine eigene Meinung zu haben und eigene Interessen zu vertreten. Streit gehört zum alltäglichen Leben dazu, auch dies müssen Kinder lernen. Mitzubekommen, dass Erwachsene unterschiedlicher Meinung sind, nach einer Lösung ringen und einen Kompromiss suchen, ist ein wichtiger Lernprozess für Kinder.
Eltern sind die ersten und wichtigsten Vorbilder für Kinder, auch auf diesem Gebiet.
Kurz gesagt: Entscheidend ist, wie man streitet!
Kinder sollten nur Streitigkeiten mitbekommen, bei denen es um ein gegenseitiges Aushandeln geht und nicht um das "Fertig-machen" des Gegenübers. Es darf ruhig auch mal lauter werden, aber kultiviert muss es sein. Die Eltern sollten auf einer sachlichen Ebene ihr Problem besprechen, versuchen auch den Standpunkt des Streitpartners zu verstehen und gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten suchen. Dem Kind muss deutlich werden, dass um ein sachliches Thema gestritten wird (z.B. Aufgabenverteilung im Haushalt).
Sehr wichtig ist auch die Versöhnung der Eltern nach einem Streit, die Kinder unbedingt miterleben sollten. Das kann eine Umarmung sein, ein gemeinsames Essen, ein Glas Wein usw.
Das Kind bekommt mit, dass Streit in Ordnung und kein Beziehungsabbruch ist. Auch wenn die Eltern sich streiten, haben sie sich trotzdem noch lieb.
Keine persönlichen Angriffe, Abwertungen oder Beschimpfungen (wie z.B. "Du bist auch zu gar nichts fähig, noch nicht mal kochen kannst du. Was kannst du überhaupt?"). Auch Alkohol oder Gewalt sind ein absolutes Tabu! Streitthemen wie Erziehungsfragen, das elterliche Sexleben oder Streitigkeiten um das Haushaltsgeld sollte das Kind auf keinen Fall mitbekommen. Solche Themen verunsichern das Kind zutiefst und lösen starke Angstgefühle aus.
Jedes Kind ist anders und reagiert auch anders auf den unangemessenen Streit der Eltern. Mädchen werden häufig besorgt, ängstlich, ziehen sich zurück. Jungen dagegen werden eher laut, toben, schreien oder werden sogar handgreiflich. Oft entwickelt ein Kind auch Verhaltensauffälligkeiten wie intensives Daumenlutschen, Haare ausreißen oder Vandalismus. Auch psychosomatische Reaktionen wie Magenschmerzen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen können Kinder entwickeln.
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"Eine gesunde Streitkultur hat vielerlei positive Auswirkungen!" weiß Frau Stephanie Schlüter, Streitseminar- Leiterin u. Dipl.-Pädagogin.
"Erst durch die Teilnahme an einem Seminar habe ich gelernt, auch bzw. gerade in strittigen Situationen Ruhe zu bewahren und Konflikte zielführend zu lösen"
Michael H., Dortmund